Laizismus
ist - in demokratischen Gesellschaftsformen - die institutionalisierte Form der
Beziehungen zwischen Bürgern und Staat ebenso wie zwischen den Bürgern
untereinander.
Überall
wo das laische Prinzip angewandt wurde, hat der Laizismus die Trennung der zivilen
Gesellschaft und den Religionen eingeführt, da der Staat keine religiöse
Gewalt ausüben konnte, und die Kirchen keine staatliche Gewalt hatten.
Um
die Gleichheit aller ebenso wie die Freiheit eines jeden garantieren zu konnen,
unterscheidet und trennt das laizistische Prinzip das öffentliche Wesen,
Sache der Bürger, und die Privatsphäre (private Wesen), wo individuelle
Freiheiten zum Zuge kommen (wie z.b. Denkrichtungen, Gewissensfreiheit, Überzeugungen)
und wo auch Unterschiede (biologische, soziale, kulturelle) nebeneinander existieren.
Das
öffentliche Wesen ist jedermanns Eigentum und nicht aufteilbar (unteilbar),
kein Bürger bzw. Gruppe von Bürgern hat seine Uberzeugungen anderen
aufzudrängen.
Ebenso ist es dem laizistischen Staat untersagt, in
kollektive Organisationen (Parteien, Kirchen, Vereine) einzugreifen, in die ein
jeder Bürger nach eigenem Belieben eintreten kann und die der privaten Rechtssprechung
unterstehen.
Laizismus garantiert jedem Einzelnen das Recht, einer Glaubensrichtung beizutreten, sie zu wechseln, oder auch keine zu haben.
Staatlicher
Laizismus ist also nicht eine Glaubensbekenntnis unter vielen, sondern die erste
une eigentliche Bedingung für das Nebeneinander verschiedener Glaubensrichtungen
im öffentlichen Bereich.
Allerdings ist keine Freiheit unbeschränkt,
jedes Recht setzt Pflichten voraus. Die Bürger haben sich den Gesetzen, die
sie sich gegeben haben, zu beugen.
Ist
der Laizismus antireligiös ?
Keineswegs.
Man kann gläubig UND laisch sein, ebenso wie man liberal oder sozialistisch
UND demokratisch sein kann. Laizismus ist nicht Unreligiositat, es ist im Gegenfeil
der beste Schutz für minoritäre Glaubensrichtungen, da eigentlich keine
soziale Gruppe diskriminiert werden darf.
Existenz bzw. Nicht-Existenz
einer Gottheit sind sind beides vom rationalistischen Standpunkt her unkontrollierbareHypothesen,
beide gleicherweise unnötig in der Verwaltung öffentlicher Interessen.
Teilnahmlos und inkompetent in bezug auf Doktrin und Glaubensbekenntnisse kümmert
sich der laische Staat nur um die Wahrung öffentlicher Interessen.
Ist
der Laizismus antiklerikal ?
Aus
Prinzip /Prinzipiell garantiert der laische Staat die Glaubensfreiheit und -ausübung
innerhalb der Grenzen öffentlichen Rechts und öffentlicher Ordnung.
Er widersetzt sich jedoch dem Klerikalismus, wenn dieser Diskriminierungen predigt
oder Teile oder den ganzen öffentlichen Bereich belegen will.
Ebenso
widersetzt sich der Laizismus dem System "anerkannter" Kirchen. derzeit
zum grossen Teil in Schweizerischen Kantonen bestehend, das den mehrheitlichen
Glaubensbekenntnissen diskriminierende schulische und steuerrechtliche Privilegien
zugesteht.
Widersetzt sich der Laizismus dem Recht der freien Äusserung (Meinungsfreiheit)?
Im Gegenteil, das Recht auf freie Äusserung ist nicht nur eine unabkömmliche Bedingung für den Laizismus, sie ist sogar dessen Ausgangspunkt. Die Erfinder der Trennung von Staat und Kirche widersetzten sich den Religionen von Staates Willen; häufig waren es Protestanten, ihrer Ideen wegen verfolgt...
Vielmehr wird die Meinungsfreiheit von bestimmten Gruppen bedroht, die sich das Recht herausnehmen, jede verschiedene Meinungsrichtung unter dem Vorwand verletzter Würde zu zensurieren.
Die Meinungsfreiheit sollte keine anderen Grenzen haben als die der öffentlichen Ordnung und der Verletzung guter (?) Sitten. Einzig Beleidigungen, Bedrohungen und üble Nachrede gegenüber Einzelpersonen oder Kollektivitäten sollten verboten und geahndet werden.
Was ist "plurieller" oder "offener" Laizismus?
Ein leerer Spruch und auch ein absurdes Konzept. Indem man Pluralismus (Mehrheitslehre) und Vielzahl verwechselt, masst man sich an, jedem selbst ernannten Kollektiv spezifische Rechte zu gewähren.
Der
Begriff "Plurieller Laizismus" wird gezielt eingesetzt, um das laische
Konzept zu verteufeln und es als dogmatisch hinzustellen. Meist sind es Glaubensfanatiker
oder Relativisten, die diesen Ausdruck verwenden.
Doch sind es genau diese
Gruppen, die eine wirkliche Gefahr für die diversen Meinungsrichtungen und
Zugehörigkeiten darstellen: erstere, weil sie überzeugt sind, die einzige
unantastbare Wahrheit innezuhaben und diese durch Zwang durchzusetzen, letztere,
weil sie alle Meinungen anfechtbar und somit austauschbar sind. Aber jede Gesellschaftsform
braucht ein Minimum an vorrangigen Prinzipien.
Es ist selbstverständlich undenkbar, einerseits ein gemeinsames öffentliches Wesen zu verteidigen und im selben Atemzug der einen oder anderen Gruppe von Bürgern ausserordentliche Rechte zuzugestehen. Weder Diskriminierung noch Privilegien, das ist die Devise eines Staates, der allen Bürgern Gleichheit in der Behandlung garantiert.
Und die Toleranz?
Toleranz setzt voraus, dass jemand toleriert und jemand anders toleriert wird: generell tolerieren Mehrheiten Minderheiten. Der Laizismus bringt besseres zustande: die Gesetze, die ein Volk sich demokratisch gegeben hat, gelten für alle Bürger. Da das Bürgerrecht Unterschieden gegenüber blind ist, werden Minderheiten nicht anders als Mehrheiten behandelt.
Widersetzt sich der Laizismus dem Multikulturalismus?
Nicht, wenn es sich um eine Wirklichkeit handelt, ja, wenn es sich um einen Anspruch auf "Multikultur" handelt. Laizismus verteidigt zum Beispiel die verschiedenen Kulturen gegen die Uniformisierung des Neoliberalismus. Als bestehende Tatsache erscheint uns die Kulturenvielzahl als Bereicherung, als Chance.
Die Theorie der Kulturenvielzahl hingegen führt zur Zerstörung demokratischer Gesellschaftsformen, denn wenn das Recht auf Unterschiede sich zum unterschiedlichen Rechtsanspruch entwickelt, ist das Prinzip der Gleichheit nicht länger gewährleistet. Der folgende Schritt führt dann unweigerlich dazu, eine Kirchen-, Ordens- oder andere Gemeinde über die gemeinsamen Gesetze zu stellen.
So gesehen ist die Kulturenvielzahl die Folge des Versagens, ein gemeinsames öffentliches Wesen zu definieren, das über die einzelnen Unterschiede hinausgreift.
So sehr der Wille zur Gleichheit von seiten der multikulturalisten auch gerechtfertigt ist, so haben die vorgeschlagenen Mittel zu ihrer Durchsetzung eigentlich eine entgegengesetzte Wirkung: die sogenannte positive Diskriminierung, die dazu führen sollte, die Gleichheit durch Überbetonung der Ungleichheiten auszugleichen, hat als negative Rückwirkung einen verstärkten Ausschluss zur Folge. Der Rassismus einer Minderheit gegen die Mehrheit oder gegen andere Minderheiten führt zum Ghettokrieg.
Jegliche Art von Diskriminierung ist per definitionem negativ.
Jenseits
der Unterschiede glauben wir an die grundlegende Einheit der Menschheit. In jedem
Menschen eine Spiegelung seiner selbst zu sehen, das ist unser Programm.